Drechseln



Zum Drechseln gekommen bin ich wie die Jungfrau zum Kind. Ich wollte einfach nur einen Wiener Regulateur, den ich auf der Titelseite eines Uhrenkatalogs gesehen hatte, bauen, aber wegen der vielen Zierteile mußte man drechseln können. Also ging ich in die Werkstatt meines Schwiegervaters und baute aus Profilstahl und einem Waschmaschinenmotor meine erste "Drechselbank" zusammen (zum ersten Mal in meinem Leben benutzte ich ein Schweißgerät). Aus einem Buch lernte ich schnell die ersten Handgriffe und bald baute ich meine zweite "richtige" Drechselbank:

Auf dieser Maschine arbeitete ich ca. 20 Jahre lang. Die Gegenstände in der Galerie 1 entstanden alle auf ihr.
Aus Platzgründen ist sie inzwischen in die ewigen Jagdgründe eingegangen, und ihre Organe wurden der Wiederverwendung zugeführt. So ist aus ihrem Bett inzwischen eine Lünette für meine Kreher entstanden (siehe unten).
Auch die Wanduhr, die Auslöser meiner Drechselleidenschaft war, wurde erst mit Hilfe dieser Maschine fertiggestellt.

Nach einigen Jahren, in denen ich zugunsten meiner anderen Hobbies weniger drechselte, lernte ich durch Surfen im Internet den Drechsler Klaus Weichselbaum kennen. Dieser geniale Allrounder, der meine Fähigkeiten bei weitem übertrifft, weckte meine Leidenschaft neu, und schnell wurde der Wunsch nach einer jetzt-endlich-wirklich-richtigen Drechselbank laut.

So erstand ich bei ebay eine Killinger KM2000S, aber immer, wenn ich vor Klaus' mächtiger Kreher stand, war ich mit ihr nicht so richtig glücklich. Ich wollte auch gerne große Naßholzschalen drehen, aber da sprang die "Frau Killinger" immer wie ein wildgewordener Kobold in der Werkstatt herum, und ich auch.

Was lag näher, als bei ebay nach was größerem zu suchen? Als ein Jahr später eine "HDB1 aus Olbernhau" angeboten wurde (die DDR-Vorgängerin der Kreher), schlug ich eiskalt zu. Bei Klaus hatte ich gesehen, wie man eine Drechselbank "höher" macht, und so wurde der Motor als Wippe am Spindelstock angeflanscht, eine Verlängerung für die Werkzeugauflagen wurde angefertigt, und eine gebogene Werkzeugauflage für die geliebten großen Schalen ebenfalls. Zum Drehen der Wellen und Drehteile hatte ich mir eine kleine Tischdrehbank (ja wo wohl?) erstanden, auf der ich auch alle Backensätze für mein Vicmarc-Vierbackenfutter selber drehe. Die Kosten habe ich so schon lange wieder hereingeholt.

Eine große Lünette, die Werkstücke bis ca 40 cm Durchmesser faßt, habe ich mir angefertigt (siehe Bilder oben und links).
Hier im Einsatz mit einem Stück 6500 Jahre alter Mooreiche, das ich beim Drechslertreffen 2004 bei Klaus Weichselbaum von Heinz Hintermann erstanden hatte, und das bis jetzt (2010) gut feucht gehalten auf seine Verarbeitung wartete.
Gespannt wird das 35-Kilo-Teil von einem 130er Dreibacken-Futter aus dem Metallbau, für das ich mir extra große Spannbacken gedreht habe. Die gehärteten Originalbacken habe ich im Kachelofen weichgeglüht, um sie plandrehen, die Sacklöcher bohren und die M6-Gewinde für die Spannbacken schneiden zu können.
Zu meiner großen Freude funktioniert das Ensemble wunderbar
.


Da mich die originalen Hebelspanner der Kreher nicht zufrieden stellten, habe ich mir für Handauflage und Reitstock je eine Exzenterspannung gebaut..

Die Kraft kommt genau da hin, wo sie gebraucht wird.


Eine Spindelarretierung hatte ich auch schon immer vermißt. Aus einem massiven Riegel aus dem Baumarkt und einer passend gefrästen Aluplatte habe ich eine angefertigt.

Die in Drechslerkreisen allbekannte Drehzahlanzeige aus einem Fahrradtacho durfte auch nicht fehlen. Ich habe sie so konzipiert, daß ich sie auch an meiner Killinger benutzen kann.


2015 haben meine beiden alten Damen nochmal leicht transportablen Nachwuchs bekommen. Das Geburtsgewicht lag nur bei 33kg.
Wer der Vater ist, ist nicht so ganz klar, muß wohl ein gewisser Bernardo gewesen sein.

Jedenfalls schnurrt die Kleine sehr schön und hat sich schnell eingewöhnt.

 


Irgendwann mußte auch ein Kreuzsupport her. Ich habe ihn allerdings bisher noch kaum gebraucht.

 

Damit der Support wenigstens ab und zu eine Verwendung findet, habe ich mir 2015 eine Gewindefräsvorrichtung gebaut. Na ja, die kann man ja auch gebrauchen, zum Gewindefräsen zum Beispiel, und Dosen mache ich ja besonders gerne.

Kosten sollte das ganze natürlich auch wieder nicht viel, dafür aber um so besser funktionieren. Die zündende Idee kam mir , wie üblich, wieder mal im Büro, während der Arbeitszeit. Das Teuerste war dann auch der Fräser vom Drechselzentrum Steinert im Erzgebirge.

Hier ein paar Bilder:

Die Gewindefräsvorrichtung auf dem Kreuz-support. Das Unterteil besteht aus einigen Reststücken Rechteckrohr. Werkstücke werden
mit den üblichen Methoden auf dem M33-
Gewinde (alte DIN800) befestigt.

Hier alles zusammen auf der Frau Killinger. Für den Steinert-Fräser habe ich einen passenden Aufnahmedorn gedreht. Über den Support kann das Werkstück an die passende Position gebracht werden.

Damit ich verschiedene Gewinde fräsen kann,
habe ich vier verschiedene Gewindestangen,
die sich mit wenigen Handgriffen austauschen lassen und deren Steigung auf das Werkstück kopiert werden.

Die Einzelteile für ein paar Euro:
- 1 Stück 1-Zoll-Wasserleitungsrohr mit Gewinde, eingepresstes POM-Stück mit 20mm Bohrung als Führung
- 4 handelsübliche Messing-Endkappen (1 Zoll), durchgebohrt und jeweilige Mutter hart aufgelötet.
- 4 verschiedene Gewindestangen (M10, M12, M16, M20, entspricht ca. 16, 14, 12, 10 tpi) mit angedrehtem
10mm Gewindezapfen
- 1 Stück polierter 20mm-Automatenstahl mit 10mm-Sackgewinde zur Aufnahme des M33 einerseits und der Gewindestangen andererseits (Eigenfertigung)

Vakuumspannung

Als letztes habe ich mir eine Vakuumspannung gebaut. Der Link führt zu einer kleinen Bildserie, die Bau und Anordnung dokumentiert.

 


Meine Werkstatt umfaßt noch eine ganze Reihe von Maschinen. Ich habe nicht alles, was es gibt, aber ich habe alles, was ich brauche, meist in guter bis sehr guter Qualität. Nur Maschinen, die ich selten benötige, sind etwas sparsamer ausgelegt. Wie heißt es doch so schön: Ich habe zu wenig Geld, um mir schlechtes Werkzeug zu kaufen.

Elektra-Beckum Bandsäge BAS 450

INCA Abrichte / Dickte - Schweizer Präzision aus Guß
METABO Formatkreissäge TK 1685D,
Schnitthöhe 85 mm
Die Schleiferei - kombinierter Band-Tellerschleifer, Trocken-Naßschleifer, nachgerüstet mit Tormek-Stein und SVD185 Röhrenschleifhalterung, Doppelschleifer mit Diamantscheibe und Lederscheibe, alles etwas umgebaut ...
CHESTER Model-B - Leitspindel-Drehbank mit Fräsaufsatz, das Original, kein China-Nachbau Diverse handgeführte Maschinen: ELU Oberfräse, UPAT Schwingschleifer, Bosch Elektrohobel, Bosch Handkreissäge, Metabo Exzenterschleifer, Billig-Bandschleifer (tut's aber bisher), Metabo (Schlag)-Bohrmaschine L+R, Metabo Pendelhub-Stichsäge, TIP Billig-Bohrhammer (hat schon einiges mitgemacht und geht immer noch einwandfrei - hat sich schon rentiert)
Fleischmann (China-)Metallbandsäge, macht keinen schlechten Eindruck
GÜDE mittelgroße Säulenbohrmaschine, nachgerüstet mit 16er Spannfutter, hat schon große Löcher klaglos bewältigt
 
Spanabsaugung, nachgerüstet mit Feinstaubfilter  


Meine Frau Killinger habe ich für die kleinen Dinge des Lebens behalten, sie steht einträchtig neben der Frau Kreher. Damit sie nicht eifersüchtig wird, drehe ich auch öfters auf ihr. Und so lebe ich glücklich und zufrieden mit meinen drei Frauen, bis an mein Lebensende.

Jetzt wünsche ich Ihnen viel Vergnügen beim Betrachten der Galerien. Wenn bei einer besonders schönen Schale oder Dose dabeisteht, daß ich mich nicht davon trennen kann - macht nix - wenn Sie genau die wollen, mache ich Ihnen eben etwas ähnliches nach - es sind halt alles Einzelstücke. Schreiben Sie mir einfach eine eMail, oder rufen mich an, wir werden uns schon einig.




überarbeitet am 22.03.2015